Rebhuhn – Monitoring am 2. März 2020

Im „Tauberland“ wird genau gezählt – Nur wenige Hähne antworteten
Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung von HP Kuhnhäuser zur Verfügung gestellt

Erstellt am 22.03.2020

In 15 ausgewählten Flächen auf den Markungen Löffelstelzen, Edelfingen und Oberbalbach fand am 2. März 2020 ein Rebhuhn-Monitoring statt. Aus Aulendorf angereist waren dazu drei Mitarbeiterinnen der Wildforschungsstelle (WFS) des Landes Baden-Württemberg.

Einst waren sie häufig, heute sind sie rar. Wer durch die Feldflur streift, bekommt sie nur noch selten zu Gesicht. Rebhühner zu entdecken ist ein Glücksfall. Die Hühnervögel sind auch bei uns im Bestand bedroht. Grund genug für ein Monitoring, das die Grundlagen für das weitere Vorgehen zur Sicherung der Bestände legt. Dazu fand am Montagabend im Jägerhaus im Schüpferloch eine ganz besondere Veranstaltung statt.

Eingeladen hatte die Kreisjägervereinigung Bad Mergentheim, und nicht nur in der KJV Mergentheim und Tauberbischofsheim organisierte Jäger waren ins Jägerhaus gekommen, sondern auch Vertreter des Landratsamtes, der Naturschutzgruppe Taubergrund, der Landwirtschaft sowie interessierte Bürger. Die 42 Anwesenden wollten nicht nur den Vortrag der Wildbiologin Dr. Johanna Maria Arnold zur Situation des Hühnervogels und dem Vorgehen beim Monitoring zuhören, sondern anschließend auch  mitmachen beim ersten Durchgang der „Frühjahrszählung“. 

Dr. Arnold verwies eingangs auf die Bestandsentwicklung des Rebhuhns im Land. Und die ist durchaus besorgniserregend, denn der Wildvogel gilt landesweit als „vom Aussterben bedroht“. Was vom Gesetzgeber zu tun ist, um den Bestand dieser Art langfristig zu sichern und die Individuenzahl möglichst wieder zu mehren, bedarf wissenschaftlicher Grundlagen. Und dazu gehöre das Monitoring, das in diesem Jahr landesweit in allen Landkreisen  in ausgewählten Gebieten mit zwei unterschiedlichen Zählaktionen erfolgt. Die nach wildbiologischen Kriterien von den WFS-Wissenschaftlern im Monitoring-Gebiet „Tauberland“ ausgewählten 15 „Transekt“-Flächen liegen in Revieren auf den Markungen Löffelstelzen (5 Flächen), Edelfingen (4) und Oberbalbach (6).

Das baden-württembergische Jagd-und Wildtier-Management-Gesetz gebe den Auftrag zum Monitoring, betonte Dr. Arnold.  Die Ergebnisse fließen in den Wildtierbericht ein, und dieser ist die Grundlage für Entscheidungen bzw. Empfehlungen für die zukünftige Rechtsentwicklung. Der Wildtierbericht trifft Aussagen zur Bestandssituation und -Entwicklung, nennt deren Ursachen, erfasst die Lebensräume und regelt damit letztendlich auch die Jagd, etwa durch nötig werdende Beschränkungen. Und deshalb sei das Monitoring – aufgeteilt in eine Frühjahrs- und eine Spätsommerzählung – eine wichtige, ja unverzichtbare Grundlage. Zudem erfasse bzw. beschränke es sich ja nicht nur die Rebhühner selbst, sondern biete Material für die wissenschaftliche Begleitforschung und liefere damit auch Grundlagen für  - beispielsweise -  das Prädatoren-Management wie etwa die (Fallen-)Jagd auf  Füchse.

Die Rebhuhn-Bestände im Landkreis gelten, wenn auch auf niedrigen Niveau, als „stabil“; in einem ein kleiner Teil am Main wird das Rebhuhn jedoch „nicht mehr nachgewiesen“ – so, wie mittlerweile in vielen Regionen des Landes. Der Trend bei den Bestandszahlen im Land ist eindeutig und „weist nach unten“.

In der Diskussionsrunde ging es dann um allgemeine Probleme des Rebhuhns – einen Teil der schwierigen Brutsituation mit der damit verbundenen Reduktion des Bestands  macht sicherlich der enorme Strukturwandel in der Landwirtschaft aus. Dabei gelte es zu bedenken, dass die Landwirte selbst ebenfalls Opfer dieser Entwicklung sind. Und dann kommen noch vielfache Vorschriften hinzu – und auch das zwar nicht vorgeschriebene, im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes jedoch angeratene Bearbeiten der Ackerraine. Die werden „nach guter fachlicher Praxis“ immer wieder gemulcht, und das gerade zum Beginn der Brutzeit der Rebhühner. Somit verlieren die brütenden Rebhuhn-Hennen – sie legen bis zu 20 Eier - die schützende Vegetation um ihr Nest; Prädatoren haben folglich leichtes Spiel, viele Gelege werden „ausgenommen“.  Die Natur hat vorgesorgt: Die Hennen können erneut legen, allerdings sind es dann maximal zehn Eier. Wenn dieses Gelege für etwa zehn Tage bebrütet wird, schließen sich die Ovarien der Henne – ein drittes Gelege ist somit nicht möglich. Im schlimmsten Fall kommt gar kein Nachwuchs hoch. Zudem benötigen die Küken eiweißreiche Nahrung, und die ist – Stichwort Insektensterben – ebenfalls rar, zumal in der heute „ausgeräumten“, deckungsarmen Feldflur. In den Schlägen selbst finden die Rebhühner nur noch wenige Wildpflanzen und Insekten.

Beim anschließenden Monitoring – die WFS-Mitarbeiterinnen  Dr. Johanna Maria Arnold, Corinna Oberhofer und Pauline Alffen schlossen sich den Zähltrupps an – konnten leider nur wenige Sichtungen registriert werden. So bleibt zu hoffen, dass am 9. März mehr Rebhühner gezählt werden können. Danach treffen die Zähler wieder im Jägerhaus ein, Dr. Johanna Maria Arnold wird dann  erste Ergebnisse verkünden können.

(Bild Nr. 1 der Bildergalerie mit freundlicher Genehmigung von HP Kuhnhäuser)

Erstellt am 23.03.2020
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