Kitzrettung: Gemeinde Igersheim gewährt Zuschuss

Frank Menikheim: „Nachhaltiger Beitrag zum Umwelt-, Natur- und Tierschutz“

Hegeringleiter: Innovative Technik, die funktioniert – Dank an Bürgermeister

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Die erste Mahd der Wiesen naht – und damit auch die Gefahr für viele Rehkitze, „vermäht“ zu werden. Doch die „klassische“ Kitzsuche, bei der die Jäger die Wiesen absuchen, ist zeitaufwändig. Einfacher wird die Kitzrettung mit moderner Technik.

Igersheim. Die Kreisjägervereinigung (KJV) Mergentheim hat dazu zwei Drohnen angeschafft – die überfliegen und fotografieren die Wiese und so sind die dort verborgen ruhenden Kitze schnell und leicht zu lokalisieren und herauszuholen. Doch „zwei Drohnen sind eben nur zwei“, sagt der Igersheimer Hegeringleiter Denis Dallmann. Und da werde es schnell eng im Drohnen-Terminkalender der KJV, die ja den gesamten Altkreis Mergentheim umfasst.

Ist die Zeit knapp, „kann es natürlich vorkommen, dass die Drohnen schon anderweitig vorgemerkt sind“. Folglich überlegten die Igersheimer Jäger, wie und womit sie selbst „schnell und unkompliziert, dabei sehr effektiv“ handeln können. Und sie wurden fündig bei einem Gerät, das moderne Technik und Zeitersparnis in sich vereint.


28 dieser innovativen Geräte – der Name lautet „KR 01“ – hat der Hegering Igersheim angeschafft. Und man ging noch weiter: Eine Anfrage von Denis Dallmann bei Bürgermeister Frank Menikheim mit der Bitte um einen Zuschuss wurde auf dem „kurzen Dienstweg“ beschieden; der Verwaltungschef sagte kurz und bündig „Ja“. Bei einem - dank Mengenrabatt - Stückpreis von 100 Euro gab die Gemeinde einen 50-Prozent-Zuschuss. „Das ist ein nachhaltiger Beitrag für mehr Umwelt-, Natur- und Tierschutz“, sagt Bürgermeister Frank Menikheim. Und da die Zeit drängt - die erste Mahd steht kurz bevor – gewährte Menikheim die 1400 Euro aus seinen Verfügungsmitteln. „Der Gemeinderat wird natürlich unterrichtet“, betont der Verwaltungschef.


Was ist das Besondere an diesen neuen Geräten? „Eigentlich ist es ganz einfach“, erläutert Denis Dallmann. „Der Kitzretter vertreibt nicht das Kitz, sondern stört die Geiß (die Rehmutter).“ Die ausgesendeten akustischen und optischen Signale werden in unterschiedlichen und sich verändernden Zeitabständen und mit willkürlich sich ändernder Dauer abgegeben. Vorteil: „Das Wild kann sich nicht an die Ton- und Lichtsignale gewöhnen.“

 

Die Töne und Lichtblitze „missfallen der Geiß; die Wiese erscheint ihr nicht mehr sicher“, verdeutlicht Dallmann. Und dann tut sie, was alle Mütter machen: „Instinktiv holt sie ihr Kitz aus dem Gefahrenbereich und bringt es in ein neues Lager, wo es weder blinkt noch schrille Töne stören.“ Wenn der Landwirt mäht, „ist das Kitz in Sicherheit, denn es ist ja nicht mehr da“, erklärt Dallmann.


Das Problem im Frühjahr sei, dass die Kitze in hohen Gras zwar geschützt, aber dennoch gefährdet sind. „Die Natur hat es gut eingerichtet; die Kitze ‚riechen‘ nicht und sind somit für Räuber nur äußerst schwierig zu entdecken, zumal das hohe Gras gute Deckung bietet“, weiß Dallmann. Einst, als noch mit der Sense gemäht wurde, wurden sie rechtzeitig entdeckt. Doch die moderne Landtechnik hat die Sense und damit die „langsame“ Handarbeit längst ersetzt. Heutige Maschinen sind „zu schnell“, denn das Kitz „flüchtet trotz des Lärms des Traktors und der Mähmaschine nicht. Es ‚drückt‘ sich weiter in sein Lager.“ So wird es fast zwangsläufig zum Opfer und, so lautet der Fachbegriff, „vermäht“. Das endet in aller Regel „fatal, also letal“.

Die schweren Verletzungen führen unweigerlich zum Tod. „Entweder sofort oder das Kitz wird wegen seiner Bewegungsunfähigkeit – oft werden Läufe abgetrennt – und dem Blutgeruch von Raubtieren gefunden und erbeutet.“ Und all das gilt es, zu verhindern; „eben mit dem Einsatz dieser Geräte“. Rund 100 Meter misst der Wirkungsradius eines eingeschalteten  „KR 01“ – „damit  wird die Wiese zwar nicht zur ‚no-go-Zone‘, auf jeden Fall aber zum ‚hier-fühl-ich-mich-als-Reh-nicht-wohl-Areal“, erläutert Dallmann.

Pro Wiesengrundstück werden zwischen zwei und vier Geräte gebraucht. „Die müssen nicht lange stehen, grundsätzlich reicht es schon, wenn sie am frühen Abend vor dem Mähtermin aufgestellt werden“, erläutert Dallmann. Und da die Jäger einen „guten Kontakt mit den Landwirten pflegen, erfahren wir rechtzeitig, dass und welche Wiese gemäht werden soll. Da bleibt uns dann genug Zeit, die Kitzretter aufzustellen“, betont der Hegeringleiter.

Mit den nun angeschafften 28 Geräten „kommen wir im Hegering gut aus und können sie rechtzeitig einsetzen“, freut sich Dallmann, der dem Bürgermeister ausdrücklich dankt. „Ohne den Zuschuss hätten wir die Kitzretter nicht kaufen können, so manches Kitz würde vermäht.“ Und da die erste Mahd ja nicht lange dauere, „halten uns die Geräte lange vor“ und könnten auch in den kommenden Jahren ihren Zweck erfüllen, also „Kitze vor dem Mähtod retten“, betont der Hegeringleiter.

Text und Foto: HP


Foto: Verena Hofmann (Haupt- und Bauamt), Bürgermeister Frank Menikheim und Denis Dallmann (Hegeringleiter Igersheim) präsentieren einen „KR 01“-Kitzretter. Das Gerät ist etwa so groß wie ein Joghurtbecher und passt in ein aufklappbares Plastikkästchen im Vesperboxformat. Darin ist die Stromquelle (Akku), ein Kabel sorgt für die Verbindung. Das KR 01 bewirkt, dass die Geiß ihr Junges aus der Wiese holt. Somit kann am nächsten Tag gemäht werden, ohne befürchten zu müssen, dass ein oder gar mehrere Kitze zu Tode kommen.