Stadtjäger: Marder, Waschbär & Co. zunehmend in Städten und Dörfern anzutreffen

Löffelstelzer Ehepaar Holger und Iris Konrad beraten Hausbesitzer

Strategisch gegen ungebetene Gäste vorgehen. Zunehmend zeigen sich Wildtiere in Städten und Dörfern. Sie hinterlassen Spuren,und manchmal fühlen sie sich regelrecht zuhause – in Schuppen, Scheunen und auf Dachböden von Gebäuden aller Art.

Wer seinen Dachboden aufsucht, kann eine böse Überraschung erleben.Ist etwa die Isolierung zum Dach aufgerissen, liegen die Glaswolle-Flocken weit verstreut, riecht es „streng“? Dann ist Besuch im Haus, unerwünschter Besuch. Wahrscheinlich ein Marder. Vielleicht auch ein Waschbär – eine Art, die sich zunehmend im Taubertal zeigt. Ist das Haus von einem tierischen

Neubewohnern erst einmal als Wohnquartier angenommen, ist es nicht leicht, die unerwünschten Gäste wieder zum Auszug zu bewegen. und ja, es können auch einmal mehr sein - Siebenschläfer beispielsweise.

Aber nicht nur in Gebäuden zeigen sich Wildtiere. Waschbär, Marder und Fuchs streifen durch Parks und Gärten. Gelegentlich sind Kaninchen oder Rehe zu Gast und knabbern an den Pflanzen. Und wenn’s ganz dick kommt, dann schaut auch Mal eine Wildsau vorbei.

In allen diesen Fällen ist guter Rat teuer. Internet-Recherche oder einen (hier im ländlichen Raum ja oft bekannten) Jäger aus der Nachbarschaft zu fragen, liegt da nahe. „Oder auf dem Ordnungsamt anrufen“, rät Holger Konrad.

Umfassende Beratung und nötigenfalls tatkräftige Hilfe gibt es jetzt von zwei Jägern mit einer speziellen Zusatzausbildung – das Löffelstelzer Ehepaar Holger und Iris Konrad. Die beiden sind ganz offiziell „Stadtjäger“. Das bedeutet allerdings nicht, „dass wir mit dem Gewehr im Anschlag durch die Stadt oder auf den Dachboden gehen“, erklärt Iris Konrad. Als „Stadtjäger“ seien sie zudem „keine Schädlingsbekämpfer oder gar Kammerjäger“, ergänzt Holger Konrad. Vielmehr „beraten wir zunächst einmal betroffene Haus- und Gartenbesitzer“.

Wenn nötig, kommen Iris oder Holger Konrad zu einem vor Ort-Termin und entwerfen dann eine Strategie. „Handeln können wir nur, wenn die Tiere großen Schaden anrichten“, betonen die Konrads. Sollte sich also ein Kaninchen einmal am Gemüse gütlich tun, „ist das sicherlich

ärgerlich, aber kein Grund, den Stadtjäger zu rufen“, verweist Iris Konrad auf den rechtlich gebotenen „großen Schaden“. Anders sieht es dagegen aus, wenn sich ein Marder oder Waschbär unterm Dach ein Quartier eingerichtet hat.

Vergrämen als erste Maßnahme

Was können die Stadtjäger tun? „Vergrämen“steht ganz oben auf der Liste der Möglichkeiten, die ungebetenen Gäste wieder los zu werden. Und das bedeutet, beispielsweise einem Marder sein Quartier zu verleiden, ihm den Zugang zu erschweren, bestenfalls unmöglich zu machen.

„Steht ein Baum neben dem Haus, reicht ein Ast bis nahe ans Dach?“, ist dabei eine Frage, die sich bei einemMarder oder Waschbär im Dachboden stellt. Daneben gilt es, „abzuklären, ob es weitere Zugänge gibt und wie man diese sperrt“. Und natürlich geht es auch darum, die Tiere und damit deren „Hinterlassenschaften“ dauerhaft zu vertreiben.

„Es riecht doch sehr streng“, weiß das Jägerpaar. Marder haben einen „Kotplatz“, das ist schon schlimm genug. Aber der „Urin sucht sich seinen Weg nach unten“ und tröpfelt irgendwann von der Decke herab ... oder „an der Hausfassade herunter. Das ist wirklich unangenehm“, wissen die beiden Jäger.

Wenn das Vergrämen keinen Erfolg hat, „stellen wir eine Falle auf“, sagt Iris Konrad. Und ihr Mann ergänzt, dass es sich dabei „um eine Lebendfalle“ handelt. Die nehmen die Stadtjäger dann „samt Inhalt“ auch wieder mit. Das Gewehr und damit der „scharfe Schuss“ ist die „ultima ratio“, also das „wirklich letzte Mittel, zudem streng reglementiert, deutlich strenger als das Fallenstellen“, verdeutlicht Holger Konrad. Marder und Waschbär werden in der Regel mit der Falle gefangen - bei Rehen und vor allem Wildschweinen hingegen kann der scharfe Schuss aber notwendig werden. Das Engagement der Stadtjäger ist nicht kostenlos, aber „preiswert. Wir nehmen eine Aufwandsentschädigung“, erklärt Holger Konrad.

Das – man mag es typisch deutsch nennen – umfassende Regelwerk hat (gesetzliche) Gründe: Generell gilt eine Stadt ebenso wie ein Dorf (auch ein Weiler, ja selbst ein frei stehendes Gehöft) sowie Sportanlagen als „befriedeter Bezirk“ – hier ruht die Jagd. Nur in begründeten Einzelfällen darf zur Falle oder gar zur Waffe gegriffen werden. Letzteres nur, wenn ein Tier verletzt oder Gefahr im Verzuge ist. „Und dann muss die Polizei dabei sein. Die rechtlichen Hürden sind sehr hoch“, wissen die Konrads.

Was es für „Stadtjäger“ zu beachten gilt, das haben sie in einem eigens dafür eingerichteten Kurs gelernt. „Der war durchaus anspruchsvoll: Acht Module, zehn Wochenenden an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg“, sagt Iris Konrad. „Wir haben viel Zeit investiert und sind da weit herumgekommen.“ Neben Jagdrecht ging es dabei um wesentliche Kenntnisse über „Wildtiere in Siedlungen“, Wildkrankheiten, „Vergrämen und Fangen“ und „sehr viel Praxis“. Übrigens: Das Land Baden-Württemberg will dem Thema Stadtjäger einen gesetzlichen Rahmen geben. Die zweite Lesung hat die entsprechende Novelle bereits hinter sich. Iris und Holger Konrad sind passionierte Jäger und haben eine Zusatzqualifikation: Sie sind „Stadtjäger“ und Ansprechpartner für Gebäude- und Gartenbesitzer, die ungebetenen Besuch von Wildtieren haben. Beide stehen hier vor einer Lebendfalle, die beispielsweise für Marder genutzt wird.

 

Text vom Januar 2020 mit freundlicher Genehmigung von HP

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