Vortrag zu den Aufgaben des Wildtierbeauftragten

Förster und Revierleiter Scheifele gab ergänzende Hinweise zur Tierart Wolf

Erstellt am

Am 12.10.2022 gab es auf Initiative des Hegerings Mergentheim im Jägerhaus Schüpferloch einen Vortrag des Wildtierbeauftragten (WTB) und Försters Hans-Peter Scheifele zum Thema „Aufgaben des Wildtierbeauftragten“ statt. Ergänzend wurde das Monitoring bei der Tierart Wolf erläutert.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Hegeringleiter Jan Westermann bedankte sich der Referent zunächst für die Einladung und verwies auf die bestehende gute Zusammenarbeit mit dem Gut Uettingshof. Er selbst sei bereits seit 35 Jahren Förster und seit 32 Jahren Revierleiter im Main-Tauber-Kreis und jetzt sei noch der Wildtierbeauftragte mit 25 % dazugekommen.

Scheifele verwies darauf, dass der WTB im JWMG, also dem Jagdrecht, sowie auch dem Tierschutz- und Artenschutzrecht verankert sei. Dies beziehe sich grundsätzlich auf alle Wildtiere in Abgrenzung zu Haus- und Nutztieren.

Der WTB müsse viele Bereiche abdecken, zunächst den Informationsbedarf und die Unterstützung öffentlicher Stellen. Weiter müsse er sachlich argumentieren, aber auch die Ängste und Befürchtungen der Bevölkerung verstehen können. Insofern sie es wichtig, eine Vertrauensperson nicht nur für Jäger, sondern auch für Naturschützer zu sein und Brücken bauen zu können. Hierbei müsse er offen sein und auf Menschen zugehen. Als WTB übernehme er allerdings keine ausführenden Arbeiten im Landkreis, da dies seine Arbeit und seine Akzeptanz untergrabe. Auch wenn er der erste Ansprechpartner im Landkreis für Wildtiere sein soll, sei keine 24/7-Bereitschaft möglich. Seine Aufgabe sei die Vermittlung von Konzepten und der Austausch zwischen einzelnen Beteiligten, also z. B. Jägern, Interessengemeinschaften, Naturschutzbehörden u.a.

Angesprochen auf die Abgrenzung zum Stadtjäger, erläuterte Scheifele, hier sei eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation wünschenswert; dies sei allerdings nur möglich, wenn Kommunen einen Stadtjäger bestellt und bestätigt hätten.

Er ging dann weiter auf die Koordination beim Wildtiermonitoring ein und die Möglichkeit, Fotofallen einzusetzen. Hier wies Erich Stapf auf Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern hin. So lasse z. B. der Forst  BW Fotofallen für’s Monitoring zu, während dies in Hessen verboten sei.

Scheifele erläuterte anhand von Beispielen weiter, dass im Rahmen des Monitorings zunächst jeder Riss interessant sein und z. B. Maße der Stanzmarken in der Decke oder ein Speichelabstrich an der Bissstelle genommen werden könne. Als Unterscheidung Hund/Wolf führte er aus, der Hund habe in der Regel seinen Futterplatz zu Hause, während der Wolf am gerissenen Stück „ein Schlachtfest veranstalte“, da er daran seinen Nahrungsbedarf stille.

Er habe auch schon Anfragen aus der Bevölkerung erhalten zur asiatischen Hornisse, wobei er insofern auf den örtlichen Imkerverein verwiesen habe.

Im zweiten Teil des Vortrags ging der Referent weiter vor allem auf die Tierart Wolf ein. Er wies darauf hin, dass Wölfe sehr lernfähig seien und deshalb der Erstkontakt entscheidend sei. Es sei unbedingt nötig, den Herdenschutz aufzurüsten, also z. B. die Einzäunung von Weiden und Viehkoppeln zu verstärken. Dies müsse auch geschehen, bevor der Wolf auftrete, damit er bereits beim Erstkontakt negative Erfahrungen mache.

Erich Stapf warf ein, dass dann sicherlich ein Ausweichen auf Wildtiere erfolge, es also mehr Wildrisse gebe und fragte konkret nach einem Ausgleich für Jäger. Hariolf Scherer verwies darauf, dass Wildtiere herrenlos seien, also die Durchsetzung eines Ersatzanspruches „keine Chance“ hätte.

In der anschließenden Diskussion wunderte sich Erich Stapf, dass bundesweit viel Geld für Wolfsbeauftragte ausgegeben werde. Er war erfreut, dass Baden-Württemberg sich bewusst für einen Wildtierbeauftragten entschieden hat. Der Referent wies insofern daraufhin, dass dies auch von der Wolfsdichte im jeweiligen Gebiet bzw. Bundesland abhänge.

Weiter fragte Prof. Dr. Baier nach, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf verhalten solle. Scheifele verwies darauf, dass es für einen Wolf immer wichtig sei, ob eine Situation beherrschbar sei oder nicht. Für ein Wildtier am schlimmsten sei immer die Gefahr einer Verletzung und Entzündung einer Wunde, denn dann drohe der Tod. Demgemäß begebe sich ein Wildtier üblicherweise nur in „beherrschbare“, also kontrollierbare Situationen. Allerdings hänge dies auch davon ab, wie ausgehungert das Tier sei.

Jan Westermann wies darauf hin, dass auch für den Wolf Begegnungen mit Menschen immer mehr zur Routine würden und z. B. in Niedersachsen die Tiere vor ein bis zwei Jahren noch wesentlich vorsichtiger waren. Scheifele gab an, dass es hierzu noch keine Erfahrungen und Erkenntnisse gebe.

Hariolf Scherer zog den Vergleich zu Nationalparks, in denen die Tiere immer mutiger werden durch diese Gewöhnung und die Erfahrung, dass keine Gefahr drohe. Eine Zukunftsprognose insofern sei nicht möglich, so der Referent, riet aber insgesamt zu Gelassenheit und führte als Beispiel Bulgarien an: Dort seien inzwischen Verluste von vier bis fünf Schafen üblich und die Schafbauern nähmen dies auch so hin, auch weil die Gesellschaft versuche, den Schaden aufzufangen.

Bei Begegnungen mit Menschen, so der Referent, seien in Bulgarien sieben bis acht Fälle dokumentiert, wobei es sich bislang insgesamt um Angriffe erkrankter Tiere gehandelt habe und keine Todesgefahr für den Menschen bestand.

Jan Westermann ergänzte hierzu, dass in Osteuropa die Jagd auf Großraubtiere grundsätzlich möglich und daher auch bei uns die Bejagung des Wolfes in Betracht gezogen werden müsse. Scheifele verwies hierzu auf Interessensforderungen, auf die dann die Politik reagieren müsse. Bei einer Erhöhung der Wolfspopulation könne gegebenenfalls der Artenschutz in Wegfall geraten.

Prof. Dr. Baier sprach noch Regressschäden an, die wohl noch nicht im nennenswerten Umfang aufgetreten seien.

In einem weiteren kleineren Teil des Vortrages ging Scheifele noch auf die Tierart Luchs ein, wobei es in Baden-Württemberg bislang nur Einzeltiere gebe. Im Main-Tauber-Kreis sei noch kein ansässiges Tier bekannt, da hier zu wenig Waldfläche vorhanden sei.

Hariolf Scherer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Landesforschungsanstalt ein Zuchtgehege für Luchse plane. Es gebe hierfür fünf Bewerbungen, u. a. aus dem Revier Mergentheim-Ost in Zusammenarbeit mit dem Wildpark. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen.

Abschließend bedankte sich Jan Westermann mit Überreichung eines Präsentes beim Referenten Scheifele für diesen interessanten Vortrag, bei dem der Wildtierbeauftragte mit großer Fachkenntnis und Geduld auf alle Fragen eingegangen war.

Text und Fotos: CLa.