KJV-Ausflug: Mit dem Bus ins Hohenlohische

Wildblumen, Bisons und eine Wanderung entlang der Schandtauber

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Bad Mergentheim. Nach einer langen Pause organisierte  die Kreisjägervereinigung Mergentheim wieder einen gemeinsamen Ausflug. Am Samstag machten sich mehr als 40 gutgelaunte Jägerinnen und Jäger – einige mitsamt Familie –  auf zu einer Bustour ins Hohenlohische. Startpunkt war am Mergentheimer Volksfestplatz, und auch am Frickentalplatz in Niederstetten hielt der Bus. Somit waren „kurze Wege“ für alle Teilnehmer sichergestellt. Es wäre kein Jäger-Ausflug gewesen, hätten die Planer nicht die Bereiche Landwirtschaft, Natur und Wild miteinander verknüpft. Und auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz.


Zunächst stand ein Betriebsbesuch bei der Rieger-Hofmann GmbH in Blaufelden-Raboldshausen auf der Agenda. „Anfang der 1980er Jahre stand die Frage an, wie der Hof zukunftssicher weitergeführt werden soll“, erläuterte Johannes Rieger. Aus dem ganz normalen landwirtschaftlichen Betrieb wurde – man suchte und fand die Nische  – 1983 ein Spezialbetrieb für Wildsamen. Auf 85 Hektar werden Wildblumen, Gräser und Kräuter angebaut, dazu zahlreiche Sträucher. Die Liste der Sämereien und Mischungen ist lang, die GmbH gibt eigens einen Katalog heraus. Und, auch das war ein wesentlicher Bestandteil der Umstellung, es gilt das Prinzip der regionalen Herkunft. Somit werden auch die von den Vertragspartnern – Landwirte aus ganz Deutschland – gelieferten Wildpflanzen-Samen der jeweiligen Region zugeordnet und entsprechend vermarktet.

Der Bedarf an diesen Sämereien, ob sortenrein einzeln oder in (auch auf Kundenwunsch) eigens zusammengestellten Mischungen, ist ebenso groß wie der Anteil der Handarbeit bei Aufzucht der Pflanzen und der Samengewinnung. „Leute mit Eschenallergie sind bei uns falsch“, machte Rieger bei der Führung deutlich. Vieles muss nach wie vor manuell erledigt werden, und die Hacke (samt Eschenstiel) ist dafür nur ein Beispiel. Das erklärt auch die große Zahl der Mitarbeiter. „Regulär etwa 50, in Spitzenzeiten bis zu 80“, sagte Rieger. Die Kunden, in erster Linie der Landschaftsbau, aber auch Landwirtschaft und Naturschutzverbände, bekommen auf ihren Bedarf abgestimmte und regional passende Sämereien bzw. Mischungen.


Die Jäger hatten natürlich besondere Fragen zu speziellen Mischungen für Wildäcker und der Anlage von Blühstreifen in der Feldflur – so etwas wie beispielsweise die kreisweit eingesetzte Rebhuhn-Wachtel-Mischung. „Können wir alles liefern, wir haben sogar schon spezielle Hamster- oder auch Großtrappen-Mischungen zusammengestellt“, betonte Rieger. Die einzelnen Schritte der Samengewinnung – Mähdrescher können Wildpflanzensamen nicht so fein ausdreschen wie Raps und Getreide – müssen dann von Fremdanteilen gereinigt, verarbeitet und abgepackt werden. Wie mühsam das sein kann, machte Rieger auch am Beispiel von Walderdbeeren deutlich. „Maschinen gibt es für viele Arbeitsschritte, aber nicht für alle. Und dann muss auch die Frage der Wirtschaftlichkeit geklärt sein.“ Insgesamt eine hochinteressante Führung, die deutlich machte, wie viel Arbeit in jeder Samenpackung steckt. Wer also im Revier eine „blühende Landschaft“ oder einen Wildacker anlegen will, sollte mal einen Blick auf die Samenpackung werfen – vielleicht steht Rieger-Hofmann drauf.


Zweite Station war die Bisonranch des Ehepaars Humpfer in Schrozberg-Standorf. Es war, wie Joachim Humpfer sagte, auch ein „Besuch beim Hegering Schrozberg 1“, denn er ist als Hegeringleiter aktiv und kennt zudem den Mergentheimer Kreisjägermeister Florian Dietzel. Was die Bisonzüchter zu berichten hatten, kleideten sie in durchaus ironische Worte.

Bisons zu halten und zu züchten – diese Idee kam Joachim Humpfer vor einigen Jahren beim Einkaufen in einem Schrozberger Supermarkt. Da wurde nämlich „Bisonfleisch aus Kanada“ angeboten. „Also hab’ ich meine Frau Kathrin gefragt, ob das denn nichts für uns wäre. Und dann habe ich sie überzeugt.“ Eine Reise in die kanadische Provinz Alberta brauchte zusätzliche Sicherheit, und bei einem deutschen Bisonzüchter –  der Bundesverband hat nur 17 Mitglieder – erwarben die Humpfers die ersten fünf Tiere. Der Landwirt und Jäger mit Leidenschaft stellte dabei klar, dass alle seine Tiere Präriebisons sind, also nicht zur Unterart der etwas kleineren Waldbisons gehören.

Doch mit dem Kauf war es nicht getan, zuvor musste der Humpfer-Hof erst noch amtlich als Wildtierhalter akzeptiert werden. Für den Familienbetrieb begann eine bürokratische Abenteuer- und Achterbahnfahrt, zumal ihre Betriebsflächen jeweils zur Hälfte in Bayern und Baden-Württemberg liegen. Wie sich alle Besucher bei der Schilderung dieses Ämtermarathons leicht vorstellen konnten, war und ist es ein Bürokraten-Rodeo höchsten Schwierigkeitsgrades. Und so manches, was beispielsweise das Veterinäramt fordert, kollidiert doch sehr mit der (Bison-)Realität.

So müssen die Ohrmarken für neugeborene Kälber innerhalb von sieben Tagen angebracht werden. „Bisons sind Wildtiere, und so verhalten sie sich auch. Wie ich da an das Kalb kommen soll, das von einer leicht reizbaren Mutter bewacht wird, war dem Amt egal.“ Letztendlich halfen Ideenreichtum und landwirtschaftlich-jagdliches Wissen, zudem die eigene Phantasie bei der Lösung des Problems – die Kälber werden regelrecht eingefangen von einem mobilen Zaun, der vom Traktor aus bedient wird. Somit können die Ohrmarken ungefährdet von der Mutterkuh eingesetzt werden. „Die muss draußen bleiben.“

Der Anblick der urigen Wildrinder – mittlerweile umfasst der Bestand 50 Tiere – erfüllte alle Ausflugsteilnehmer mit Begeisterung und Respekt. Wer seinen Winnetou (und natürlich auch Literatur über Nordamerika und Wildtiere) gelesen hat, weiß von den großen Bisonherden, die einst über die Prärie zogen – viele tausend Köpfe stark: Kühe, Kälber und Jährlinge bildeten einst diese gewaltigen Herden. „Die Bullen separieren sich und bilden kleine Gruppen, die den Herden folgen. Nur in der Brunft sind sie bei den Kühen.“ In seinen Gehegen sind die Bullen längere Zeit im Jahr mit den Kühen und Kälbern zusammen, nach der Brunft werden sie mit einer großen Falle („da ist Futter drin, ich muss nur einen Hebel bedienen“) gefangen und auf eine eigene Weide gebracht.

Was die Schlachtung angeht, so behilft sich Humpfer noch damit, das jeweilige Stück mit der Jagdbüchse zu erlegen; nach dem Ausbluten wird der gesamte Tierkörper in den nächstgelegenen Schlachthof gebracht und dort zerlegt. Sein Antrag auf den Bau eines eigenen Schlachthauses liege dem Amt bereits geraume Zeit vor. „Wir warten noch auf die hoffentlich positive Antwort“, sagte Humpfer.

Außerdem betreibt die Familie noch eine Biogasanlage. „Wir versorgen in zwei Dörfern 60 Haushalte mit Wärme“, erklärte Kathrin Humpfer. Auch hier wieder: Kampf mit den Behörden, denn Rasenschnitt gilt als Abfall und darf nicht der Anlage zugeführt werden. Das gilt auch für das bisher nicht vermarktungsfähige Bisonfett, das nicht im Fleisch eingelagert wird, sondern wie eine Schwarte unter der Haut liegt. „Vielleicht können wir Seife daraus machen“, sagte Humpfer. Generell ist die Vermarktung des Bisonfleisches noch ausbaufähig, der höhere Preis muss der noch unerschlossenen Kundschaft schmackhaft gemacht werden. Wer will, kann im Ranch-Store den Automaten nutzen, der mit verschiedenen Bison-Produkten aufwartet – Bison schnell und unkompliziert.

Die Besuchergruppe konnte ein „Versucherle“ nehmen, geräucherter Bison-Bratwurst, jeweils ein Scheibchen präsentiert auf einem Holzspieß. Zudem gab’s Bison-Hotdogs. Und die schmeckten ebenso wie die Spießchen in der Tat sehr delikat. Das Wildrind hat einen ganz besonderen Geschmack, schmeichelt dem Gaumen und kitzelt die Zunge. Von allen Besuchern war die Meinung zu hören, das Geschmackserlebnis wiederholen zu wollen, etwa mit Braten, Gulasch oder Steaks. Also ruhig mal Bison auf den Teller – „Wild, aber mal anders“.

Danach begaben sich die Ausflügler auf eine Wanderung. Vom Bisongehege ging es nach Rothenburg. Die Strecke führte auf schmalen Pfaden durch dichten Wald; dabei wurde auch ein kleiner Abschnitt des Jakobsweges unter Schusters Rappen genommen. Entlang der Schandtauber führte die Tour zur Rothenburger Eselsbrücke, wo bereits der Bus wartete und die Gesellschaft zum letzten Ausflugsziel brachte, dem weithin bekannten Gasthof der Familie Unbehauen in Spielbach.

Bei Schnitzel mit Kartoffelsalat und Bratkartoffeln sowie einem (oder zwei, drei …) „Spezial Hell“ – auch Wasser, Saftschorle und Cola für die Kinder – klang der Tag in der angenehmen Atmosphäre des urigen Gasthof-Nebenzimmers aus. Dietzels Stellvertreter Holger Konrad stimmte ein „Horrido“ auf den Kreisjägermeister an – zum Dank für die Organisation dieses „inhalts-, ja lehrreichen Ausflugs“, und da sangen alle mit. Zu bereden gab es dann auf der Heimfahrt noch viel. Und so manches Sonntagsessen wurde wohl auch schon geplant – mit Bisonfleisch natürlich.

Impressionen gibt es in der Bildergalerie.

Text: HP/Fotos: HP und CLa