Was verbindet Wild und Wein?

Die amtierende Markelsheimer Weinkönigin und passionierte Jägerin Josefin Büttner erzählt von der perfekten Harmonie ihrer zwei Leidenschaften

Erstellt am 09.10.2019

Ein Gespräch mit der Markelsheimer Weinkönigin Josefin Büttner, die auch Jägerin und Mitglied der Kreisjägervereinigung Mergentheim ist, über Wild und Wein:

 

Hallo Josefin, zunächst vielen Dank, dass Du Dir zwischen Deinen anderen Terminen Zeit nimmst für dieses Gespräch mit uns.

Josefin I.:   Das mache ich doch gerne. Ich bin ja nicht nur Markelsheimer Weinkönigin, sondern auch Jägerin aus Leidenschaft.

 

Du stammst aus einer alten Laudenbacher Winzerfamilie. Man könnte also sagen „Am Anfang war der Wein“?

Josefin I.:   Völlig richtig. Mein Uropa hat hier in Laudenbach mit dem Weinbau begonnen und meine Mutter führt diese Familientradition in der dritten Generation fort. Als Kind bin ich natürlich mit Oma und Opa raus in den Weinberg mitgegangen. Dann habe ich halt immer ein bisschen mehr mitgeholfen. Richtig los ging es nach dem Abitur, als meine Mutter krankheitsbedingt ausfiel, da habe ich neben meinem Ferienjob meiner Oma acht oder zehn Wochen lang beim Heften geholfen.

 

… und aus dieser Weinbergarbeit heraus ging es dann immer weiter bis zur Markelsheimer Weinkönigin?

Josefin I.:    So schnell ging das nicht. Ich unterstütze seit über zwei Jahren das Verkaufsteam  der Weingärtnergenossenschaft Markelsheim und habe dadurch nochmal viel über Wein dazugelernt. Außerdem komme ich sehr gut mit Menschen zurecht und halte angeblich auch gute Grußworte (schmunzelt selber ein bißchen). Ich freue mich sehr, dass ich jetzt die Markelsheimer Weine in der Öffentlichkeit vertreten und weiter bekannt machen darf.

 

Wie kam es denn dazu, dass Du neben all dem auch noch den Jagdschein gemacht hast?

Josefin I.:   Das ist bei mir eine witzige Geschichte: Als ich 13 war, wurde ich Vegetarierin… das dauerte so etwa, bis ich 19 wurde. In dieser Zeit hat mein Vater den Jagdschein gemacht und weil ich als Schülerin sehr gut im Lernrhythmus war, habe ich ihn immer abgefragt. Er hat mich dann damit aufgezogen und gesagt, dass er mir den Jagdschein bezahlt, wenn ich den mal machen möchte. Naja, nach dem Abitur und der Arbeit im Weinberg mit meiner Oma habe ich ihm dann gesagt, jetzt ist es soweit, und habe einen dreiwöchigen Sommerkurs in einer Jagdschule gemacht. Das war schon sehr intensiv und eine Herausforderung und ich bin froh, dass ich es geschafft habe.

 

Welches Revier hat denn die Ehre, die Königin zu beheimaten?

Josefin I.:   Mein Vater hat zusammen mit einem weiteren Jäger ein Revier in Laudenbach  gepachtet, sodass ich jederzeit ansitzen kann. Leider ist es im Moment ziemlich schwierig, meine Verpflichtungen als Weinkönigin mit der Jagd unter einen Hut zu bringen; allerdings ist die meiste Arbeit im Weinberg jetzt nach der Lese getan und auch die Termine sind den Winter über besser verteilt. Ich freue mich auf die Drückjagdsaison und darauf, dass ich wieder mehr Zeit im Revier verbringen kann. Es ist natürlich auch toll, wenn man immer wieder Wildbret zu Hause hat.

 

Wobei die Jagd ja tatsächlich weitaus mehr umfasst als nur die Schussabgabe…

Josefin I.:   Jäger wie Winzer und Landwirte haben in der Natur ihren Beruf oder finden dort ihre Berufung. Wie bei der Pflege der Weinstöcke und Reben steht auch bei der Jagd das ganze Jahr über die Hege des Wildes und nach dem Jagderfolg der respektvolle Umgang mit dem erlegten Tier im Vordergrund. Ich möchte den Menschen damit auch die Natur näherbringen, die – egal in welchem Bereich – immer mit Respekt behandelt werden muss.

 

Die Verbindung von Wild und Wein hat es ja schon immer gegeben, sodass Du diese beiden Leidenschaften gut zusammenbringen kannst.

Josefin I.:   Das ist richtig. Meine Mutter ist hier in Laudenbach mit zuständig für den Julius-Echter-Keller. Als wir uns dann überlegt haben, was für ein Motto wir für die Weinprobe nehmen können, habe ich sofort die Verbindung „Wild auf Wein“ vorgeschlagen. Der Klassiker zum Wildgericht ist ein schwerer trockener Rotwein, der allerdings bei entsprechender Zubereitung auch gegen andere Weine ausgetauscht werden kann. Auch die Rezepte sind heute „leichter“ geworden, sodass die Weine insgesamt neu darauf abgestimmt werden können. Als Beispiel: Ein moderner Wildburger besteht aus verschiedenen Zutaten, Soßen und Beilagen, sodass auch ein leichter spritziger Weißwein eine sehr gute Ergänzung sein kann.

 

Werdet ihr diese Idee auch bei Eurem Wild & Wein Abend am 12. Oktober aufgreifen?

Josefin I.:   Ja. Deshalb wird auch die angekündigte Weinprobe nicht nur aus Rotweinen bestehen, sondern den Gaumen an neue Variationen heranführen. Unsere Gäste werden überrascht sein.

 

Was sagt eine Weinkönigin dazu, mit Wein zu kochen?

Josefin I.:   Das ist großartig! Meine Mutter hat schon immer sehr gerne mit Wein gekocht und ich selbst verwende dafür auch hin und wieder mal meinen Königinnenwein. Die Soße bekommt durch die Aromen des Weins einfach andere Geschmacksnoten. Wenn man sich unsicher ist, nimmt man für die Soße den gleichen Wein, den man zum Essen trinkt. Aber auch hierbei sind alle Variationen erlaubt, die schmecken. Einfach mal ausprobieren und den persönlichen Geschmack entwickeln…

 

… und wie planst Du nach Deiner Amtszeit als Weinkönigin Deine Zukunft? Wirst Du Wild und Wein erhalten bleiben oder gehst Du beruflich andere Wege?

Josefin I.:   Der Wein ist meine Berufung und die Jagd meine Leidenschaft. Beidem werde ich auch in Zukunft verbunden bleiben. Beruflich habe ich meine Schneiderlehre abgeschlossen und mache gerade noch eine weitere Ausbildung zur Bekleidungstechnikerin in Nürnberg. Dabei geht es nicht nur um die handwerkliche Schneiderarbeit, sondern auch um Schnitte, Stoffe, Passform, Produktion und Management. Ich habe mich schon oft darüber geärgert, dass bei der Jagdbekleidung für Damen nach wie vor keine besonders große Auswahl besteht. Daher ist für mich vorstellbar, später vielleicht in dieser Richtung tätig zu werden, also bei der Kombination aus Funktionskleidung für Damen mit einem gewissen jagdlichen Schick, die eben für weibliche Größen und Formen gefertigt wird, aber auch bezahlbar sein muss.

 

Das ist ein sehr gutes Schlusswort und sicherlich freuen sich bereits jetzt sehr viele Jägerinnen auf Deine Entwürfe. Wir als Kreisjägervereinigung Mergentheim wünschen Dir in allen Bereichen den besten Erfolg und bedanken uns für dieses freundliche Gespräch.

 

Das Interview fand am 5. Oktober in Laudenbach statt.

Die Fragen stellte Christina Lauer.

Fotos: CLa

Erstellt am 09.10.2019
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